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"Türken-Quote" fürs Dreigestirn

1. Türkischer Karnevals-Verein: Alles nur Comedy

Riesenrummel um den "1. Türkischen Karnevals-Verein Deutschlands". 60 Journalisten kamen zur Pressekonferenz und wunderten sich. Da wurde eine "Türken-Quote" im Dreigestirn eingefordert und vieles mehr. Alles nur Comedy?

Der "Express" meldet am Freitag, der Spaß sei für die RTL-Comedy-Show "TV-Helden" inszeniert worden, die am 24. Januar erstmals auf Sendung geht. Tatsächlich hatte die ganze Veranstaltung etwas von "versteckter Kamera".

"Die hat doch das Kopftuch falsch gebunden", mutmaßt ein Medienvertreter über TKVD-Mitglied Melek Cezmi und schlussfolgert: "Das sind gar keine Türken."

Ein WDR-Mitarbeiter hat beobachtet, dass der Vorsitzende Davut Yilmaz ein Interviewwunsch auf Türkisch abgelehnt hat. "Der kann doch kein Wort Türkisch", kombiniert er und kommt zu einem ähnlichen Schluss wie sein Kollege.

Zuvor waren die Podiumsgäste vor allem durch Provokaktionen aufgefallen, die ihren Zweck teilweise auch erfüllten - eine Mischung aus Entrüstung und Rätselraten machte sich unter den Journalisten breit.

Yilmaz (29) und Cezmi (27), die sich laut Yilmaz beim BWL-Studium an der Uni Köln kennengelernt haben, fordern im Namen des TKVD eine "Türken-Quote" im Karneval. Zehn Prozent der Kölner seien Türken; alle zwei Jahre solle deshalb auch ein Türke im Dreigestirn dabei sein. Dafür verzichte der TKVD auch erst einmal darauf, ein eigenes Trifolium zu benennen. Yilmaz: "Alternativ kann auch das Dreigestirn erweitert werden: Prinz, Jungfrau, Bauer - und Türke." Die Provokation sitzt: Die Journalisten lachen und klatschen Beifall.

Weiter geht es herausfordernd. Die "Türken-Quote" solle auch auf andere Bereiche des Karnevals ausgeweitet werden. "Jeder zehnte Wagen soll von uns bestückt werden", erklärt der Vorsitzende, der Sekunden später mit Cezmi schon einmal einen selbst gebastelten Entwurf für einen Wagen feierlich enthüllt: ein Modell eines roten 3er BMW mit aufgeklebtem Schnurrbart auf dem Kühlergrill. Die Pressefotografen kämpfen um das beste Bild. Die Enthüllung wird auf Forderung der Kameraleute noch einmal stehend wiederholt.

Einen Schnurrbart wollen der TKVD und seine Freunde am 16. Januar ab 21 Uhr auch auf den Dom projizieren - und zwar mit Handy-Displays. Und so absurd geht es weiter: Funkenayşe und Funkenjasminchen? "Pisse, Kotze, Kacke ist nicht unser Ding", sagt Yilmaz, der erzählt, dass an Karnval vor ein paar Jahren jemand vor der Tür seiner Wohnung sein Geschäft verrichtet habe. Grenzen, die überschritten sind, wolle man beim TKVD wieder zurückrücken. "Wir sind uns aber auch nicht sicher, ob Grenzüberschreitung der Sinn des Karnevals ist", so Yilmaz.

Womit der TKVD auch beim Thema Freizügigkeit gelandet ist. "Das Problem ist, dass viele deutsche Karnevalisten glauben, dass man mir an den Po fassen darf. Karneval feiern muss doch auch möglich sein, ohne angepackt zu werden", sagt Cezmi, die seit zehn Jahren in Köln wohnt und seitdem nach eigener Aussage keinen Karneval verpasst hat. Yilmaz: "Wir sehen uns als Anlaufstelle für alle, die Karneval feiern wollen, aber etwas gesitteter."

"Natürlich sind das pure Provokationen", erklärt Yilmaz nach der Pressekonferenz, als die meisten Journalisten bereits verschwunden sind. "Aber man muss sich schon fragen, warum sich so viele aufregen - nur, weil wir einen türkischen Karnevalsverein gründen wollen", antwortet Yilmaz, der zuvor erzählt hat, dass die acht Gründungsmitglieder "halbwegs nüchtern" gewesen seien, als im Februar 2008 die Idee, einen türkischen Karnevalsverein zu gründen, konkretisiert wurde. "Ich glaube nicht, dass unsere Forderungen erfüllt werden", sagt der 29-Jährige und wirkt dabei erstaunlich ernst. Die meisten Ziele haben Yilmaz und Co. spätestens mit der Pressekonferenz wohl schon erreicht. (sar)

(8.1.2009)

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