Kunststoffsparte belastet Geschäft stärker als erwartet
Bayer bekommt Wirtschaftskrise zu spüren
Leverkusen (ddp-nrw). Beim Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat die weltweite Wirtschaftskrise im ersten Quartal deutliche Spuren hinterlassen. Vor allem das Kunststoffgeschäft (MaterialScience) belastete Umsatz und Gewinn stärker als erwartet. «Eine solche Entwicklung haben wir bei Bayer noch nicht erlebt», sagte Vorstandschef Werner Wenning am Mittwoch in Leverkusen und rückte vom bisherigen Plan für das laufende Jahr ab. So bezeichnete er das Ziel, den Rückgang des um Sondereinflüsse bereinigten Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) im Gesamtjahr auf fünf Prozent zu begrenzen, als «zunehmend ambitioniert».
Mittlerweile sei das Erreichen des Ebitda-Ziels von einer spürbaren Belebung des Kunststoff-Bereiches abhängig, erläuterte Wenning weiter. Allerdings scheine die Talsohle in der Sparte erreicht. «Erste Anzeichen einer leichten Belebung der Nachfrage werden erkennbar», sagte er. Im zweiten Quartal erwartet Bayer eine Verbesserung von Umsatz und Ergebnis bei MaterialScience gegenüber den ersten drei Monaten und strebt für das Gesamtjahr ein positives Ebitda vor Sondereinflüssen an.
In den ersten drei Monaten sank das bereinigte Ebitda des Gesamtkonzerns gegenüber dem Vorjahreszeitraum den Angaben zufolge um 22 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis sei um mehr als 44 Prozent auf 425 Millionen Euro eingebrochen. Der Umsatz habe sich um 7,5 Prozent auf knapp 7,9 Milliarden Euro reduziert. Im Gesamtjahr soll der Umsatz bei etwa 32 Milliarden Euro liegen. Analysten zeigten sich enttäuscht über die Zahlen, die unter den Markterwartungen lagen. Die Aktie verzeichnete bis zum Nachmittag ein Minus von 4,4 Prozent auf 36,93 Euro.
Während sich die Sparten Gesundheit und Pflanzenschutz als weitgehend krisenresistent zeigten, verbuchte das Kunststoffgeschäft den Angaben zufolge deutliche Einbußen und schrieb rote Zahlen. Nahezu quer durch die Produktpalette und die Absatzregionen hätten deutliche Nachfragerückgänge ebenso zu Buche geschlagen wie ein erhöhter Preisdruck. Weiter wies Wenning darauf hin, dass Bayer in der Sparte weltweit bereits frühzeitig mit vorübergehenden Stilllegungen, Produktionsdrosselungen und dem Abbau von Arbeitszeitguthaben auf die Krise reagiert habe. In Deutschland sei Kurzarbeit vereinbart worden.
«Wir werden die Entwicklung des Marktumfelds für MaterialScience weiter beobachten und laufend analysieren. Mögliche weitere Maßnahmen und Anpassungen werden wir so ausgestalten, dass die Nachhaltigkeit unseres Geschäfts nicht beeinträchtigt wird», kündigte Wenning an. Für das Gesamtjahr 2009 erwartet Bayer weiter eine sehr unterschiedliche Entwicklung der Teilkonzerne. «Für HealthCare und CropScience rechnen wir im laufenden Jahr unverändert mit Steigerungen bei Umsatz und Ebitda vor Sondereinflüssen», bekräftigte Wenning mit Blick auf die Gesundheits- und die Pflanzenschutzsparte. (Foto: ddp)
(29.4.2009)
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