Forscher: Beziehung zu anderen Spielern macht abhängig
Bätzing will mehr Onlinesucht-Forschung und Therapien
Berlin (AFP) - Die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) fordert eine bessere Erforschung der Computerspielsucht und einen Ausbau der Therapiemöglichkeiten für die oftmals jugendlichen Onlinesüchtigen. "Wir müssen Eltern und Lehrer unterstützen, eine Mediensucht im Frühstadium zu erkennen und wirksam zu verhindern", erklärte Bätzing anlässlich einer Fachtagung zum Thema in Berlin. Medienpädagogische Hilfsangebote seien besonders wichtig.
"Neue Medien sind eigentlich eine feine Sache und die mediale Zukunft", erklärte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. "Exzessiv Computer spielende Jugendliche laufen aber Gefahr, Schule, Beruf und Beziehungen zu vernachlässigen und in ihrer psychischen und sozialen Entwicklung zurückzubleiben", warnte Bätzing unter Berufung auf eine bereits im März vorgelegte Studie im Auftrag des Bundesinnenministeriums.
Der Studie zufolge spielt jeder zehnte Jugendliche - 15,8 Prozent der Jungen und 4,3 Prozent der Mädchen - in der Freizeit exzessiv am Computer, das heißt über viereinhalb Stunden täglich. Drei Prozent der Jungen sowie 0,3 Prozent der Mädchen sind demnach gar computerspielabhängig, weitere 4,7 Prozent der Jungen und 0,5 Prozent der Mädchen gelten als gefährdet. Bätzing betonte, die Studie habe gezeigt, dass computerspielsüchtige Jungen unter anderem deutlich schlechtere Schulnoten hätten und häufiger schwänzten. Jeder fünfte Spieler von "World of Warcraft" (WoW) sei abhängig oder suchtgefährdet.
Der Hannoveraner Suchtforscher und Psychotherapeut Bert te Wildt sagte im ZDF-Morgenmagazin, entscheidend für eine Abhängigkeit sei das Spielen im Internet. Das interaktive miteinander Spielen mache süchtig: "Wir haben ganz wenige Spieler, die abhängig werden, weil sie Konsolenspiele spielen. Das abhängig Machende scheint also die Beziehungsdimension im Netz mit anderen Spielern zu sein." Die Spieler tauschten dort reale soziale Kontakte gegen Online-Kontakte aus.
Besonders bedroht von einer Onlinesucht seien "junge Männer, die auf dem Weg ins Erwachsenwerden gescheitert sind", sagte te Wildt. Sie zögen sich häufiger ängstlich oder gekränkt aus der realen Welt zurück. Die Stundenzahl allein sei kein Warnsignal - ein Indiz sei vielmehr, wenn jemand beim Spiele-Entzug "aggressiv oder depressiv" werde. (5.7.2009)
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