Lokale Meldungen aus Köln
Nächtliche Prüfung der Dämpfungssysteme
Erste Tests: U-Bahn zu laut für Philharmonie
Nur etwa zwei Meter unter dem unterirdischen Konzertsaal der Kölner Philharmonie befindet sich die neue U-Bahn-Trasse der Nord-Süd-Stadtbahn. Die Leitung der Kölner Philharmonie befürchtet, dass der Bahnverkehr zukünftig Konzerte stören könnte. Daher werden in dieser Woche Fahrgeräusch-Simulationen und Rütteltests mit Geräuschmessungen in der Philharmonie durchgeführt.
Der erste „Rütteltest“ wurde nach Angaben von Philharmonie-Sprecherin Christiane Linnartz ohne Schalldämmung vorgenommen, berichten Kölner Zeitungen übereinstimmend. Im Künstlerfoyer sei es extrem laut gewesen. Auch im Saal sei der Lärm voll hörbar gewesen.
Danach wurde eine Rüttelplatte, mit der normalerweise auf Baustellen Erde verdichtet wird, auf einem ersten Dämpfungssystem getestet – bestehend aus einer 60 Zentimeter dicken Betonplatte, die auf Metallfedern gestützt ist. Beim Einsatz dieses einfachen Masse-Feder-Systems Dienstagnacht seien die Geräusche im Stimmzimmer noch „gut hörbar“ gewesen, im Saal sei der Grenzwert noch um ein Dezibel überschritten gewesen, so die Kölner Blätter.
In den kommenden zwei Nächten werden nun weitere Verfahren getestet. Die Dicke der Betonplatten wird auf 100 Zentimeter erhöht. Zudem wird getestet, welche Auswirkungen der Einsatz verschieden dicker Betonplatten, die dann entweder auf Kunststoff oder Stahlfedern gelagert sind, hat. Nach den Geräuschmessungen soll das beste System gewählt werden, das dann auf einer Länge von 140 Metern eingebaut werden soll. Nach Medienberichten ist mit Erkenntnissen aus den Tests allerdings erst in einigen Wochen zu rechnen.
Der U-Bahn-Tunnel ist bereits seit 23 Jahren alt. Er wurde bei der Errichtung der Philharmonie 1986 mitgebaut. Zuletzt wurde er mit Kleinbaggern ausgebaggert und fertig gestellt. Problematisch kann der Verlauf der U-Bahn nicht nur wegen der Störung von Konzerten werden, denn der Saal der Philharmonie wird auch als Aufnahmestudio vom WDR genutzt.
Bis jetzt kannte man das Problem mit der zu lauten Geräuschkulisse nur von Skatern und selbst Fußgängern: Die Bodenplatten auf dem Heinrich-Böll-Platz geben die Geräusche der Passanten als dumpfes Wummern im Konzertsaal weiter. Daher wird der Platz seit Jahren bei anstehenden Konzerten gesperrt.
Sollten die U-Bahn-Bauer die Störung der Konzerte nicht durch Dämpfungssysteme verhindern können, ist es durchaus denkbar, dass die Bahn dann während der Konzerte nur bis zur Haltestelle Rathaus fahren darf. Das sagte Philharmonie-Chef Louwrens Langevoort zumindest im „Express“. „Oder sie darf nur mit zwei Stundenkilometern fahren.“ Unterdessen beruhigte die KVB: Bei den ursprünglichen Kalkulationen sei bereits die aufwendigste Dämmung berücksichtigt worden.
(27.5.2009)

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