Meldungen aus Bonn

Iraner regiert Bonns Narren

Prinz Amir I.: "Ob Christ oder Muslim, die Jecken wollen Spaß"

Bonn (ddp-nrw). Seine muslimische Herkunft war in den vergangenen Wochen ein großes Gesprächsthema. Dabei fühlt sich der diesjährige Bonner Karnevalsprinz Amir Shafaghi nach eigenen Angaben durch und durch als Deutscher. Seit seiner frühesten Jugend ist der 39-Jährige, der im Alter von zehn Jahren mit seinen Eltern nach der islamischen Revolution im Iran ins Rheinland geflohen war, begeisterter Jeck. Umso erfreuter war er, als das städtische Karnevalskomitee ihn für die diesjährige Saison als Prinzen aufstellte. «Prinz Amir I.» heißt er nun. Der Name ist dabei Programm, denn Amir heißt auf Persisch ebenfalls «Prinz».

Schon kurz nach der Ankunft der Familie in Deutschland 1980 fing Shafaghi begeistert «Kamelle» auf dem Bonner Rosenmontagumzug. «Alaaf» habe zu den ersten Worten gehört, die er sich in der für ihn fremden deutschen Sprache angeeignet habe, erzählt er: «Der Ausruf des Wortes war schließlich mit schönen Sachen verbunden. Denn dann hat es Süßigkeiten geregnet.» Mit 30 trat der Geschäftsmann dann beim Karnevalsverein «Bonner Stadtsoldaten» ein. Sein Steuerberater hatte ihn angeworben.

Religion, Berufsstand und gesellschaftliche Stellung spielen keine Rolle

Am Karneval liebt Shafaghi vor allem das Zusammengehörigkeitsgefühl und das Füreinandereinstehen in den Vereinen. Umso überraschter war er daher, dass seine muslimischen Wurzeln plötzlich zum Thema in der «Fünften Jahreszeit» wurden. «Karnevalist sein, das ist doch ein Ehrenamt. Da spielen Religion, Berufsstand und gesellschaftliche Stellung keine Rolle», betont der 39-Jährige. Und fügt im rheinischen Dialekt hinzu: «Unter der Narrenkappe sind wir alle gleich, und doch ist jeder Jeck anders.» Und dass er gar kein praktizierender Moslem sei, das sei doch ebenfalls unwichtig, findet er.

Dennoch durfte Shafaghi Mitte Januar beim traditionellen ökumenischen Gottesdienst der Karnevalisten im Bonner Münster keine Ansprache halten. Grund sind laut dem katholischen Münsterpfarrer Wilfried Schumacher die Regeln der katholischen Kirche, wonach in einem christlichen Gottesdienst nur Christen zu Wort kommen dürfen. Das «Redeverbot» des Karnevalsprinzen, über das einige Medien berichteten, führte daraufhin zu allerlei Aufruhr.

Shafaghi ist nach wie vor enttäuscht: «Was soll ich dazu sagen? Meine gute Erziehung erlaubt es mir nicht, darüber zu urteilen», sagt er verärgert. Ein Sprecher des Bonner Münsters hält dagegen: Es sei bereits seit Monaten mit dem Festkomitee abgestimmt gewesen, dass Shafaghi nicht sprechen werde, und er habe sich damit auch einverstanden gezeigt. Die Kirche sei daher überrascht gewesen, kurz vor dem Termin in der Presse etwas anderes zu lesen: «Wir sind nicht glücklich über die Angelegenheit», sagt er.

Die persische Verwandschaft ist stolz auf "ihren" Prinzen

Seit dem Vorfall ist der Karnevalsprinz aus Bonn vorsichtig geworden. Presseanfragen lässt er nun zunächst über den Sprecher des Karnevalskomitees abwickeln. «Das Komitee wünscht das so», erklärt Shafaghi knapp: Man wolle «nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen». Der Prinz will sich nun ganz auf die Karnevalshochphase konzentrieren. «Das Volk will doch Spaß haben, ob Christen oder Muslime», betont der 39-Jährige.

Im Karnevalsverein fand Shafaghi im Übrigen auch die Liebe. So lebt er mit der Bonner Karnevalsprinzessin «Bonna Uta» zusammen. Über das angestrebte Prinzen- und Prinzessinen-Amt sei man sich vor mehr als zwei Jahren näher gekommen, berichtet Shafaghi. Gemeinsam bestreiten die beiden nun die Bonner Karnevalssaison: «In den kommenden Wochen haben wir rund 300 Termine. Da gilt es, nicht krank zu werden.» Gegen die Schweinegrippe und die normale Grippe sei er bereits geimpft worden, betont der Geschäftsmann.

Besonders freut sich Shafaghi auf den Rosenmontag und die Fahrt mit dem Prinzenwagen. «Meine persischen Verwandten kommen extra aus den USA angereist, um mich zu sehen», sagt er, «die wissen zwar nicht so genau, worum es sich beim Karneval handelt. Aber sie sind total stolz.»

(6.2.2010)

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